Get 20M+ Full-Text Papers For Less Than $1.50/day. Start a 14-Day Trial for You or Your Team.

Learn More →

Bestandserhaltung als Massengeschäft – Das neue Bestandserhaltungskonzept des Bundesarchivs

Bestandserhaltung als Massengeschäft – Das neue Bestandserhaltungskonzept des Bundesarchivs 1Bestandserhaltung als MassengeschäftDas Bundesarchiv steht seit langem vor der Herausforderung, den Bestandserhalt von umfangreichen Beständen an vielen Standorten zu organisieren und damit umso rascher nachhaltige mengentaugliche Lösungen zu realisieren. Insbesondere in den letzten vier Jahren ist der Umfang der verwahrten Bestände um ein Drittel gewachsen. Hintergrund ist, dass innerhalb von zweieinhalb Jahren das Bundesarchiv Anfang 2019 erst die Deutsche Dienststelle (ehemals Wehrmachtauskunftstelle) und dann Mitte 2021 das Stasi-Unterlagen-Archiv aufnahm.Das neue Bestandserhaltungskonzept versteht sich als Antwort auf die oben beschriebenen Herausforderungen und bildet den Abschluss einer intensiven Diskussion, die 2018 vom Strategieprozess des Bundesarchivs angestoßen wurde. Es richtet die verschiedenen Komponenten der Konservierung und Restaurierung des Archivgutes neu aus.Bestandserhaltungskonzept Bundesarchiv, https://www.bundesarchiv.de/DE/Content/Artikel/Ueber-uns/Aus-unserer-Arbeit/bestandserhaltungskonzept.html (05.12.2022); Hänger, Andrea, Michael Hollmann. „Das Bundesarchiv im digitalen Wandel.“ Forum (2018): 4–33, insbes. 20 ff. zu den im Folgenden formulierten Leitlinien. Das Bestandserhaltungskonzept kann dabei auf die intensive Forschung der letzten Jahre zurückgreifen, die empirisch basierte Modelle und Werkzeuge zur Verfügung stellt. Diese ermöglichen es, verschiedene Szenarien für die Bestandserhaltung zu entwickeln und die Auswirkungen von Maßnahmen auf Erhaltung, Budget, Nutzbarkeit und Nachhaltigkeit abzuwägen. Dadurch erst können konkrete und evidenzbasierte Ziele der Bestandserhaltung benannt, die Kosten für die Erreichung dieser Ziele berechnet und der Öffentlichkeit bzw. den Unterhaltsträgern vermittelt werden.Mehr als 540 laufende Kilometer Archivgut bedeuten für die Bestandserhaltung eine enorme Herausforderung und Ressourcenaufwände. Die Entwicklung eines realistischen, fachlich und wirtschaftlich vertretbaren Maßnahmenkataloges ist daher unabdingbar. Für das Bundesarchiv bedeutet dies, Unterlagen abgestuften Kategorien transparent zuzuordnen und für die jeweiligen Bestandserhaltungsniveaus Maßnahmen festzulegen. Im Ergebnis werden diese Maßnahmen dazu führen, dass hoch priorisierte Unterlagen generell länger im Original nutzbar bleiben als tiefer priorisierte.Abb. 1:Magazinraum in Berlin-Lichterfelde (Foto: Kristina John, Bundesarchiv B 198 Bild-2022-0817-001)2Trends der BestandserhaltungDie Forschung zum Erhalt von Kulturgut ist seit etwa 30 Jahren zunehmend empirisch ausgerichtet. Im Kern geht es darum, die Zerfallsprozesse, denen das Kulturgut unterliegt, besser zu verstehen, insbesondere im Hinblick auf die Bedeutung äußerer Einflüsse wie Lagerung, Klimabedingungen, Nutzung usw. sowie auf die Wirkung invasiver Verfahren wie Entsäuerung auf diese Zerfallsprozesse.Global lassen sich grosso modo folgende Tendenzen beschreiben: In Mitteleuropa haben Massenentsäuerungsverfahren in den vergangenen Dekaden eine dominante Rolle in der Erhaltung von Archivgut eingenommen, während sie in Nordamerika, West- und Südeuropa – zumindest im Archivbereich – eine weitaus geringere Bedeutung hatten.Durchführung von Massenentsäuerungsprojekten. Gemeinsames Grundlagenpapier des Bestandserhaltungsausschusses der Konferenz der Leiterinnen und Leiter der Archivverwaltungen des Bundes und der Länder und der Kommission Bestandserhaltung des Deutschen Bibliotheksverbandes, Mai 2019, 4; Duran-Casablancas, Cristina u. a. „A Comparison of Preservation Management Strategies for Paper Collections.“ Studies in Conservation 66,1 (2020): 23–31, DOI: 10.1080/00393630.2020.1790264. Für Polen vgl. Czajka, Anna. „20 Years of Mass Deacidification in Poland – from the Idea to Experience.“ Vortrag auf der internationalen KEK-Konferenz Originalerhalt in Perspektive 11/2021. Die Literatur zum Thema (Massen-)Entsäuerung stellt die Einflüsse dieses Verfahrens auf die Zellstruktur des zu behandelnden Papiers dar: Der säurebedingte hydrolytische Papierzerfall wird mit den aktuell eingesetzten unterschiedlichen Verfahren lediglich verzögert, aber nicht gestoppt oder gar umgekehrt.Dabei ist die Frage der nachhaltigen Wirksamkeit des Entsäuerungsverfahrens nicht nur in Deutschland ein Thema, sondern auch Gegenstand niederländisch-britischer Untersuchungen unter Beteiligung der Nationalarchive. Ein Forschungsprojekt vergleicht die Wirksamkeit verschiedener Maßnahmen (v. a. Entsäuerung mit Klimabedingungen der Lagerung) vor dem Hintergrund, Entscheidungen zu vier Folgen (outcomes) zu erleichtern: Erhaltung, Kosten, Nachhaltigkeit und Zugänglichkeit.Duran Casablancas, Cristina. UCL (University College London) Project title: „Preservation management modelling in archive and library collections.“ https://www.ucl.ac.uk/seaha-cdt/people/cristina-duran-casablancas (15.08.2022); Duran Casablancas, Cristina. „Simulating the Effect of Preservation Options – Are Archives More Complex than Rockets?“ Vortrag auf der internationalen KEK-Konferenz Originalerhalt in Perspektive 11/2021.Die im Rahmen des genannten Projekts entwickelten Modelle ermöglichen es, sammlungsspezifisch und unter Berücksichtigung des tatsächlichen Erhaltungszustandes die Wirksamkeit und die Kosten der verschiedenen Maßnahmen zu vergleichen. Das Ergebnis wird stets von vielfältigen Faktoren, dem Erhaltungszustand des Papiers, des Umfangs der Entsäuerung pro Jahr und den Zielwerten für das Magazinklima abhängen. Für große Sammlungen bzw. Bestände (Bestandsgruppen) mit einem hohen Anteil säurehaltigen Papiers wird demnach im Regelfall eine zeitnahe Absenkung der Lagerungstemperatur zu besseren Ergebnissen für den Gesamtbestand führen als eine sukzessive, sich über Jahrzehnte hinziehende Massenentsäuerung.Verticchio, Elena, Francesca Frasca, Chiara Bertolin u. a. „Climate-induced risk for the preservation of paper collections: Comparative study among three historic libraries in Italy.“ Building and Environment 206 (2021): 108394, 1–16.Ein bedeutender Teil der Forschung fokussiert daher auf die Herstellung möglichst günstiger Lagerungsbedingungen. Ausgangspunkt dieser Diskussion ist die Publikation von Stefan Michalski (Canadian Conservation Institute), deren Titel „Double the life for each five-degree drop, more than double the life for each halving of relative humidity“ seine Kernthese gut zusammenfasst.Michalski, Stefan. „Double the life for each five-degree drop, more than double the life for each halving of relative humidity.“ Preprints/International Council of Museums, Committee for Conservation. Getty Conservation Institute 13,1 (2002). Rio de Janeiro, 22–27 September 2002 (online). Wie Michalski kamen eine Dekade später Larsen und andere auf der Basis vielfältiger Empirie zur Schlussfolgerung, dass im Zusammenspiel der Klimawerte die Temperatur für Papier möglichst niedrig sein sollte.Larsen, Poul Klenz, Morten Ryhl-Svendsen, Lars Aasbjerg Jensen u. a. „Konstantes Raumklima und niedriger Energieverbrauch – kein Widerspruch. Zehn Jahre Erfahrung mit energieeffizienter Klimatisierung in Archiven und Museumsmagazinen“ Restauro 7 (2012): 53–60, 58 f. Alternativ mit mechanischer Belüftung und minimaler Heizung: Bonvin, Michel, Andrea Giovannini. „Passives Management des Klimas eines Archivlagers.“ ABI Technik 42,3 (2022): 180–192. In jüngerer Vergangenheit auf experimenteller Grundlage entwickelte Modelle beziehen mehr Faktoren ein, bestätigen aber grundsätzlich die von Michalski entwickelte Faustformel.Strlič, Matija u. a. „Damage function for historic paper. Part III: Isochrones and demography of collections.“ Heritage Science (2015): 3–40. Insbesondere der Klimawandel und das Erfordernis des sparsamen Umgangs mit Energie haben zu einer Differenzierung des Modells von Michalski geführt. Ältere Studien sahen noch vor, das Raumklima in den Magazinen unabhängig von den Außentemperaturen stabil zu halten. Dagegen finden sich in der Forschung und aktuellen Bauvorhaben jahreszeitlich angepasste Zielkorridore, bei denen Luftfeuchtigkeit und Temperatur in einem genau definierten Klimaspektrum den jahreszeitlichen Werten folgen. Dadurch werden gleiche oder bessere Ergebnisse bei der Erhaltung des Archivguts bei gleichzeitig deutlich verbesserter Energieeffizienz erreicht.Vgl. zusätzlich zu den genannten Publikationen: Menart, Eva, Gerrit De Bruin, Matija Strlič. „Dose-response functions for historic paper.“ Polymer Degradation and Stability 96 (2011): 2029–2039, hier 2038; Sung H. Hong, Matija Strlič, Ian Ridley u. a. „Climate change mitigation strategies for mechanically controlled repositories: The case of The National Archives, Kew.“ Atmospheric Environment 49 (2012): 163–170. Siehe auch die Empfehlungen der DIN/TR 67702:2020-12.Ein weiterer Trend liegt in der Digitalisierung großer Mengen Kulturgut. Dieses Thema löst teilweise etablierte Verfahren wie die Entsäuerung und Verfilmung ab. Die Digitalisierung dient bestandserhaltenden Zwecken vielfältiger Art wie Sicherung und Schutz. Und es kommen laufend neue Anwendungsmöglichkeiten hinzu, wie etwa die Aufnahme und Analyse unterschiedlicher Materialschichten und das Aufdecken verblasster Spuren. Sie bedient zugleich auch Erwartungen von Nutzerinnen und Nutzern sowie Unterhaltsträgern nach einer möglichst umfassenden digitalen Bereitstellung, die durch die COVID-19-Pandemie seit 2020 noch einmal einen deutlichen Schub erfahren haben. Der Schwerpunkt der Aktivitäten liegt hier auf der Entwicklung eines Digitalisierung-on-Demand-Dienstes, der die analoge Bereitstellung von Unterlagen in Teilen ablöst.Internationalen Beispielen – wie den skandinavischen Ländern, der Schweiz, den Niederlanden, Großbritannien, den Vereinigten Staaten – folgend setzt das Bundesarchiv auf eine digitale Bereitstellung und Gewährleistung des Originalerhalts durch gute Lagerungsbedingungen.National Archives Strategic plan 2022–2026, https://www.archives.gov/about/plans-reports/strategic-plan/strategic-plan-2022-2026, 15.08.2022); Schweizerisches Bundesarchiv, Strategie 2021–25-Strategie, Leitsatz 1 zur Vision, https://www.bar.admin.ch/bar/de/home/ueber-uns/das-bundesarchiv/strategie.html; für die Niederlande: Digital Heritage Network: National Digital Heritage Strategy, https://www.den.nl/uploads/5c9b818974b6fbf9d4f768cd0fe96f8d14e3d504324a7.pdf; für Großbritannien: https://www.nationalarchives.gov.uk/about/our-role/plans-policies-performance-and-projects/our-plans/the-national-archives-strategic-response-to-covid-19/; für Finnland: Kajanne, Ville. „Planning Mass Digitisation – challenges and Solutions for Large-Scale Projects.“ Vortrag auf der internationalen KEK-Konferenz Originalerhalt in Perspektive 11/2021; für Norwegen: Konvertering av arkiv til digitale lagringsmedier. „Digitalisering for kassasjon‘.“, https://www.arkivrad.no/sites/arkivrad/files/user/Arkivraad/2_norli_og_stavheim_foredrag_na_-_digitalisering_for_kassasjon.pdf; für Dänemark vgl. Larsen, Rhyl-Svendsen, Aasbjerg Jensen u. a. 2012 (alle Internetseiten: 05.12.2022). Auf bisher praktizierte Massenentsäuerungsverfahren wird das Bundesarchiv künftig verzichten.Für das neue Bestandserhaltungskonzept des Bundesarchivs wurden drei Kategorien definiert, für die unterschiedliche Erhaltungsniveaus und damit verbundene Aufwände gelten:Bestandserhaltungskonzept Bundesarchiv, Punkt 1 (daraus auch das folgende Zitat); vgl. dazu erstmalig: Hänger, Hollmann 2018, 22. Die Zuweisung von Kulturgut zu unterschiedlichen Erhaltungsniveaus findet sich in vielen Handbüchern, z. B. Giovannini, Andrea. De tutela librorum: la conservation des livres et documents d’archives: die Erhaltung von Büchern und Archivalien. 4., überarb. und wesentlich erw. Aufl. Baden: hier + jetzt, 2010, 52–57.Der Kernbestand umfasst eine kleine, nicht abschließend festgelegte Menge von Archivgut, das mit restauratorischen Maßnahmen und optimierten Lagerungsbedingungen für einen sehr langen Zeitraum in nutzbarem Zustand erhalten werden soll. „Dieser ‚Kernbestand‘ soll Archivalien umfassen, die für das Verständnis der deutschen Geschichte von besonderer Bedeutung sind und die alle Bereiche und Epochen aus dem Überlieferungsspektrum des Bundesarchivs abdecken.“Die weitaus größte Menge wird der Kategorie „mittleres Erhaltungsniveau“ zugeordnet. Die Archivalien dieser Kategorie werden bedarfsorientiert aktiven Maßnahmen zum Originalerhalt unterzogen, die im Zusammenhang mit der Vor- oder Nachbereitung der analogen oder digitalen Bereitstellung stehen, wie Stabilisierung und Reinigung. Die Lagerungsbedingungen sollen eine generelle Nutzbarkeit des Bestandes im Original (ggf. mit Ausnahme bereits zu sehr geschädigter Unterlagen oder Unterlagenteile) über einen möglichst langen, mindestens mehrere hundert Jahre umfassenden Zeitraum gewährleisten.Für das Zwischenarchivgut beschränken sich die Maßnahmen darauf, dieses für die Dauer der Aufbewahrungsfrist benutzbar zu halten.3„Nothing is the same as something else“ – die Bedeutung des OriginalsDieYeo, Geoffrey. „‚Nothing is the same as something else‘: significant properties and notions of identity and originality.“ Archival Science 10,2 (2010): 85–116, doi:10.1007/s10502-010-9119-9; ähnlich schon 1994 über Einzigartigkeit: O’Toole, James M. „On the Idea of Uniqueness“ American Archivist 57,4 (1994): 632–658, hier 657: „If we were to insist on uniqueness as an absolute, it would prove entirely useless. In the end, everything differs from everything else.“ Begrenzung der Nutzbarkeit im Original führt zu der Frage, inwiefern digitale Reproduktionen Eigenschaften der Vorlage, des Originals transportieren können und folglich, welches diese gewünschten Eigenschaften sind.Vgl. für die Frage Hänger, John, Zahnhausen 2021, 80; Hänger, Hollmann 2018, 22. Wesen und Bedeutung des Originals sind intensiv diskutierte Themen. Häufig werden sie verknüpft mit weiteren grundlegenden Begriffen, auch in Überschneidung mit der Diskussion zu Digitalisaten oder born digitals: Authentizität, Einzigartigkeit, Materialität, Substanz, signifikante Eigenschaften, intrinsischer Wert, Beweiswert, Vertrauen – und in Abgrenzung zu: Reproduktion, Repräsentation, Multiplikat, Vervielfältigung, Kopie, Abbild, Faksimile, Imitat etc.Vgl. auch Stauber, Reinhard. „Zum Wert des Originals“ Archivalische Zeitschrift 97 (2021): 121–128; Grau, Bernhard. „‚Original‘ – Archive und historische Authentizität.“ In Original! Pracht und Vielfalt aus den Staatlichen Archiven Bayerns. Hrsg. von Margit Ksoll-Marcon, Laura Scherr, Christian Kruse u. a. München: Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns, 2017, 11–26, hier 11; Sabrow, Martin. „Die Aura des Authentischen in historischer Perspektive.“ In Historische Authentizität. Zur Kartierung eines Forschungsfeldes. Hrsg. von Martin Sabrow, Achim Saupe. Göttingen: Wallstein, 2016, 31; Schilling, Erik. Authentizität. Karriere einer Sehnsucht. München: C. H. Beck, 2020. Diese Begriffe tragen zum Verständnis bestandserhaltender Möglichkeiten und Entscheidungsspielräume bei.Originale zu bewahren und für nachprüfbare Informationen zur Verfügung zu stellen, gehört zum Kerngeschäft von Archiven.Grau 2017; Hänger, Hollmann 2018, 20. Obwohl der Begriff des Originals ein wesentlicher Referenzpunkt in Fachdebatten ist, fehlt ihm ein eigener Eintrag gerade in manch zentralen klassischen archivischen Nachschlagewerken.Vgl. beispielsweise Menne-Haritz, Angelika. Schlüsselbegriffe der Archivterminologie. Nachdr. der 3., durchges. Aufl., Marburg: Archivschule Marburg, 2011; oder Encyclopedia of Archival Science. Hrsg. von Luciana Duranti, Patricia C. Franks. Lanham, USA/Plymouth, UK: Rowman & Littlefield, 2015. Im von der Society of American Archivists verantworteten Dictionary of Archives Terminology, das als aktuelles Standardwerk gelten kann, wird er definiert als: a) allgemein: „Ursprüngliche Ausprägung“ (initial manifestation), „Prototyp“, b) in der Diplomatik:, „erste vollständige und gültige (effective) Version einer Akte“, c) im Recht: „Das Ding an sich oder ein Duplikat, von dem von der herstellenden Person beabsichtigt wird, dass es die gleiche Gültigkeit (effect) hat“.„Original.“ In Dictionary of Archives Terminology, https://dictionary.archivists.org/entry/original.html (12.05.2022), deutsche Übersetzungen von den Autorinnen und Autoren dieses Beitrags.Zudem ist der Terminus weder im Bundesarchivgesetz noch in gut der Hälfte (neun) der Archivgesetze der deutschen Länder enthalten.Ebenfalls nicht enthalten (Stand 02.01.2023) in folgenden Archivgesetzen der Länder: Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Thüringen; auch nicht im Bundesgesetz über die Archivierung der Schweiz. Ebenso keine Rolle spielt der Begriff in der aktuellen Kommentierung einschlägiger Passagen des BArchG etwa zur Definition von Archivgut des Bundes oder zu alternativen Wegen der Zugänglichmachung: Bundesarchivgesetz. Handkommentar. Hrsg. von Christoph J. Partsch. 2. Aufl. Baden-Baden: Nomos, 2021, 93 f. (zu § 1 (2), 119 (zu § 3 (1) 1). Vier Archivgesetze der Länder sehen ausdrücklich die Möglichkeit vor, „die im Archivgut enthaltenen Informationen in anderer Form archivieren und die Originalunterlagen vernichten“BayArchivG Art. 9 (1) Satz 4; ähnlich: Mecklenburg-Vorpommern mit Zusätzen „im Benehmen“ (Schleswig-Holstein) oder sogar „mit Zustimmung der abgebenden Stelle“ (Bayern, Saarland). Im novellierten HArchivG von 2022 ist im einschlägigen § 6 (2) der Hinweis auf Löschung oder Vernichtung des Originals, der im vorherigen HArchivG § 11 (2) enthalten war, entfallen. Zwei Gesetze verpflichten die anbietenden Behörden dazu, Schriftgut bzw. Unterlagen „im Originalzustand zur Übernahme anzubieten“ (Niedersachsen, Sachsen-Anhalt). zu können. Die rechtliche Dimension des Originalbegriffs – etwa im Zusammenhang mit einem BeweiswertGlaudemans, Arnoud, Rienk Jonker, Frans Smit. „Documents, Archives and Hyperhistorical Societies: An interview with Luciano Floridi.“ In Archives in liquid times. Hrsg. von Frans Smit, Arnoud Glaudemans, Rienk Jonker. Den Haag: Stichting Archiefpublicaties, 2017, 306–320, bes. 311 („legal ability of records“). – ist nicht eindeutig. Ähnlich unklar ist die Rechtslage offenbar in Österreich, wo die Digitalisierung der Verwaltung frühzeitig massiv betrieben wurde.Dornik, Wolfram. „Ersetzendes Scannen von Altregistraturen. Archivische Herausforderung im Spannungsfeld zwischen visionären Chancen, archivarischem Ethos und harter (Finanz-)Realität.“ Scrinium 73 (2019): 54–67, hier: 58.Ebenso dauert die Diskussion zu gängigen Fachbegriffen wie „authentisch“, „signifikante Eigenschaften“, „intrinsischer Wert“ an. Bislang wird darauf verwiesen, dass die Eigenschaften, die zur Anerkennung der „Authentizität“ führen sollen oder den spezifischen „Wert“ ausmachen, jeweils konkret auf Zwecke hin funktional definiert werden müssen – bis hin zur lapidaren Feststellung: „Originality itself may be significant and cannot be replicated.“Yeo 2010, 20.Darüber hinaus sind Veränderungen durch Abnutzung und endogene Entwicklungen zu berücksichtigen. Eine materielle Unveränderlichkeit auf Dauer ist letztlich eine Fiktion.Coppola, Floriana u. a. „Non-destructive collection survey of the historical Classense Library. Part II: Conservation scenarios.“ Heritage Science 89,8 (2020): 1–10, hier: 1. DOI: 10.1186/s40494-020-00430-y. Vgl. für den Begriff der Fiktion in einem übergreifenden Kontext für Materielles Hahn, Hans Peter. „Dinge als Herausforderung – Einführung.“ In Dinge als Herausforderung: Kontexte, Umgangsweisen und Umwertung von Objekten. Hrsg. von Hans Peter Hahn, Friedemann Neumann. Bielefeld: transcript, 2018, 9–32, bes. 20–22. Daher versteht sich professionelle Konservierung seit Jahren als „Veränderungsmanagement“.Coppola 2020, 1. Diese Tatsache ist insbesondere in der filmischen Überlieferung offensichtlich, da Produktion und Verbreitung von Filmwerken auf dem Prinzip der technischen Reproduzierbarkeit beruhen. Filme können einem breiten Publikum in Kinosälen nur präsentiert werden, indem von einem originalen Ausgangsmaterial Vorführkopien in großer Menge hergestellt werden. Somit ist das Umkopieren von Filmen auf ein vergleichbares oder ein anderes Trägermedium seit jeher ein etabliertes Verfahren. Im Bereich Filmerbe gewinnt das Prinzip der technischen Reproduzierbarkeit zusätzlich an Bedeutung, da die ehemals verwendeten Trägerstoffe Zellulosenitrat und Zelluloseazetat per se instabil sind und deren immanente chemische Zersetzungsprozesse nur verlangsamt, aber nicht aufgehalten werden können.Vgl. Read, Paul, Meyer, Mark-Paul. „Introduction to the restoration of motion picture film.“ Restoration of Motion Picture Film. Oxford: Elsevier professional, 2000, 1–5, hier 1; Fossati, Giovanna. From Grain to Pixel: The Archival Life of Film in Transition. Amsterdam: Amsterdam University Press, 2018. Beim Kopieren von Inhalten, einer seit dem Aufkommen der Schriftlichkeit etablierten und auch für Filme angewandten Praxis, haben sich Methoden entwickelt, wie die Kopie weiterhin die mit dem Original assoziierten Eigenschaften aufweisen kann. Dieser Sichtweise liegt das Konzept der intersubjektiven Authentizität zugrunde, bei dem eine dritte Person die Wesensähnlichkeit eines Objekts anhand überprüfbarer Kriterien nachvollziehen kann.Die Digitalisierung von schriftlichem Kulturgut hat in den vergangenen Jahren einen Standardisierungsschub erfahren. Standards wie Metamorfoze und die FADGI-Guidelines haben wesentlich dazu beigetragen, aus am Nutzungswunsch orientierten digitalen Kopierprozessen Fachverfahren zur Kulturgutreproduktion zu entwickeln. Mit der ISO 19264-1:2021-06 steht eine Norm zur Sicherung einer hohen und standardisierten Qualität hinsichtlich Farbe, Auflösung und Geometrie der Digitalisate zur Verfügung. Für originär digitale Daten entwickelte Standards zur Sicherung von Integrität und Authentizität bei der Langzeitarchivierung sind leicht auf Retrodigitalisate anzuwenden. Eine konsequente Anwendung der Standards, die Dokumentation von Prozessen und ein hinreichendes Qualitätsmanagement sind notwendig, damit die Kopie die Funktionen des Originals übernehmen kann.Abb. 2:Raum der Digitalisierungswerkstätten (Foto: Christian Appl, Bundesarchiv)Das Bundesarchiv bewahrt weiterhin alle Originale gemäß den oben formulierten Prinzipien auf, die sich aus seinem Auftrag gemäß Bundesarchivgesetz ableiten.4Aufbewahrung: Lagerungsbedingungen, NachhaltigkeitHerzstück der Bestandserhaltung ist die Vorsorge durch geeignete Aufbewahrung. Die Herausforderung besteht darin, die Lagerungskonditionen auf die Besonderheiten der Unterlagen abzustimmen. Zusätzlich zu den materialspezifischen Klimabedingungen unterscheidet das Bundesarchiv hinsichtlich der Relevanz des jeweiligen Bestandes (siehe Abschnitt 2 oben). Grundsätzliches Ziel ist die Gewährleistung möglichst optimaler Aufbewahrungsbedingungen mit wirtschaftlich und ökologisch vertretbarem Aufwand. Unterlagen des Kernbestands werden bei ggf. notwendigen ressourcenintensiven Maßnahmen priorisiert berücksichtigt gegenüber Akten des mittleren Erhaltungsniveaus.Bei der Planung zukünftiger Magazinstandorte greift das Bundesarchiv auf eine Vielfalt von etablierten Best Practices zurück. Allgemein akzeptiertDie Werte geben den aktuellen Stand wieder, z. B. der DIN ISO 11799 Anhang C. sind Empfehlungen für hinreichend stabiles Raumklima in einem Korridor von 16–23°C in verpacktem, kompakten Zustand an einem sicheren, sauberen, dunklen, nicht zu feuchten Ort, mit angemessenem Luftaustausch, verlässlicher Technik sowie geringer Bewegung sowohl der Unterlagen selbst als auch im Magazin allgemein und zuverlässigem Monitoring aller Aspekte. Für eine kühle Lagerung sind Temperaturkorridore von 8–16°C anzustreben. Die Umsetzung der Empfehlungen sind standortabhängig und auf verschiedene Art zu erreichen. Aktuell dominieren Ansätze mit dem Fokus auf passiver Klimatisierung, ggf. mit minimaler technischer Unterstützung.Vgl. als Übersichten zu Erfahrungen mit verschiedenen Bautypen und Klimazonen sowie Bezügen zu einschlägigen Normen wie u. a. der DIN ISO 11799, die aktuell in Überarbeitung ist: Larsen, Ryhl-Svendsen, Aasbjerg Jensen u. a. 2012; Holl, Kristina, Kilian Ralf (Hrsg.). Handbuch Depots und Archive. Handlungsempfehlungen für Planung und Betrieb. Stuttgart: Fraunhofer IRB, 2022. Entsprechende Beispiele für die Umsetzung gibt es unter anderem in Skandinavien, Großbritannien und Deutschland.Larsen, Ryhl-Svendsen, Aasbjerg Jensen u. a. 2012, 53; Hong, Sung H., Matija Strlič, Ian Ridley u. a. „Climate change mitigation strategies for mechanically controlled repositories: The case of The National Archives, Kew.“ Atmospheric Environment 49 (2012): 163–170; Woods, Chris. „Sustainable Conservation of Collections: The push for the passive.“ Vortrag auf der internationalen KEK-Konferenz Originalerhalt in Perspektive 11/2021.Auch aktive Klimatisierung ist nachhaltig umsetzbar, wie beim 2021 bezogenen Neubau des Historischen Archivs der Stadt Köln für gut 61 laufende Regalkilometer, mit neun Klimazonen, Flächenkühlsystem, Wärmepumpe und Eisspeicher, oder beim kanadischen „Preservation Centre“, das mit einer Lagerungskapazität von gut 21 000 m³ als eines der weltgrößten mit automatisiertem Lagerungs- und Aushebesystem und zudem als erster Archivbau in Amerika mit einer neutralen CO2-Bilanz angekündigt war und mittlerweile fertiggestellt ist; dies vor dem Hintergrund einer Schwankung der Außentemperaturen am Standort von –25°C bis +30°C.Für den Kölner Neubau vgl. https://www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/kultur/historisches-archiv/neubau-des-historischen-archivs; https://www.floornature.de/waechterwaechter-historisches-archiv-der-stadt-koln-16920/, Holl, Kilian 2022, 20–22; für Kanada: Bélanger, Sylvain. „Climate Change and Archival Facilities.“, Blogbeitrag vom 12.06.2020, https://blog-ica.org/2020/06/12/climate-change-and-archival-facilities/ (alle 05.12.2022). „Preservation Storage Facility“, https://library-archives.canada.ca/eng/corporate/about-us/building-projects/new-preservation-facility/Pages/new-preservation-facility.aspx (21.12.2022). Viele weitere Beispiele ließen sich anführen.Eine Variante passiver Kühllagerung in gleichmäßigem Klima praktizieren seit rund 25 Jahren die Nationalarchive in den USA und im Vereinigten Königreich für Teilbestände. Die genutzten Flächen in Grubenbauten bringen eine gewisse Distanz zum archivischen Verwaltungsbetrieb inkl. Nutzungsräumen und Scanstrecken mit sich, werden aber aufgrund der relativ geringen Kosten und technischen Anforderungen geschätzt.Vgl. Thomas, David. „The National Archives goes underground.“ Places of deposit Bulletin Nov. (2003): 4–5, https://cdn.nationalarchives.gov.uk/documents/bulletin_nov03.pdf (15.08.2022); Kratz, Jessie. „The National Archives Goes Underground.“ The Historian’s Notebook 48,1 (2016), https://www.archives.gov/publications/prologue/2016/spring/historian-frcs.html (15.08.2022). Eine Unterbringung in Grubenbauten wird in Deutschland lediglich für die Sicherung der Multiplikate aus der Bundessicherungsverfilmung im Barbarastollen genutzt.5Risikomanagement und NotfallvorsorgeBeide Themen haben über die letzten Jahre stetig an Bedeutung und Facetten gewonnen: Hochwasser und Brandgefahren durch Sommerdürren, kollabierende Untergründe und Gebäude, Anschläge und Einbrüche, Besatzungen und Kriege, Klimaänderungen mit Auswirkungen bis hin zu Schädlingsaufkommen, unsichere Perspektiven der Energieversorgung und auch die Verbreitung neuer ansteckender Krankheiten stellen steigende Anforderungen auch an Kulturgut bewahrende Einrichtungen.Weitere Tendenzen sind darin zu sehen, dass sich die Institutionen in Notfallverbünden zusammenschließen und sich mit potentiellen Partnerinnen und Partnern mit Spezialkenntnissen und -zuständigkeiten wie Feuerwehr und Katastrophenschutz stärker vernetzen. Dabei ist am Beispiel des SicherheitsLeitfadenKulturgut (SiLK) und des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) zu beobachten, dass sich allgemeines und Kulturgut bezogenes Notfallmanagement in Deutschland stärker verschränkt und standardisiert.https://www.bbk.bund.de/DE/Themen/Schutz-Kulturgut/schutz-kulturgut_node.html (Bereich „Wie sichern wir Kulturgut?“); http://notfallverbund.de/ (beide 15.08.2022).Auch das Bundesarchiv nutzt die gängigen Instrumente der Risikoanalyse und der Notfallvorsorge an seinen rund zwei Dutzend Standorten ebenso wie bei der Planung zur Nutzung weiterer Liegenschaften und Gebäude. Die Infrastruktur für Notfälle soll in den kommenden Jahren ausgebaut werden. Es hilft zudem als verlässlicher Partner Einrichtungen in Notlagen wie zuletzt im Ahrtal 2021 oder in der Ukraine 2022, engagiert sich in den lokalen bzw. regionalen Notfallverbünden, bedient die Bundessicherungsverfilmung auch in der Transformation zur Digitalisierung, betreibt eine Risikoanalyse für seine Standorte und erstellt ein Schadenskataster für Unterlagen aus besonders empfindlichen Materialien.6Restaurierung und KonservierungDas Bundesarchiv legt den Schwerpunkt bei der Bestandserhaltung auf präventive Maßnahmen. Dies schließt konservatorische Vorbereitungsarbeiten für die Digitalisierung (z. B. Entfernen von Metallteilen, Entheften, Lösen einfacher Bindungen) ein. Restaurierungsarbeiten werden in den Werkstätten insbesondere in Unterstützung der großflächigen Digitalisierungsvorhaben durchgeführt. Auf diese Verzahnung mit der Digitalisierung werden die Werkstätten im Hinblick auf Ausstattung, Prozesse und Personal ausgerichtet. Aufwändige Restaurierungsarbeiten beschränken sich auf die Herstellung der Digitalisierungsfähigkeit bzw. die Nutzungsfähigkeit im Original, wenn eine solche erforderlich ist (z. B. auch bei Ausstellungen) sowie auf herausragende Objekte. Die Arbeiten sind den in der Charta von Venedig (1964) festgelegten und weiterentwickelten Grundsätzen verpflichtet, mit möglichst geringem und reversiblem Eingriff in das Material. Die Restaurierungswerkstätten arbeiten dabei mit am Stande der Forschung orientierten Verfahren. Selbst bei vorliegenden Schadbildern ist stets abzuwägen, ob die sachgerechte Lagerung des geschädigten Archivales und ggf. die Anfertigung eines archivischen Anforderungen entsprechenden Multiplikats hinreichend und einer personalintensiven Restaurierung vorzuziehen ist.Abb. 3:Restaurierungswerkstatt in Berlin-Lichtenberg (Foto: Sabine Protze, Bundesarchiv)Zur Lösung dieser Aufgaben sollen zusätzliche Restauratorinnen und Restauratoren mindestens des Qualifizierungsniveaus Bachelor eingestellt werden, um die fachlich anspruchsvollen Verfahren flächendeckend umsetzen zu können. Diese sollen zudem die Beschäftigten im mittleren Dienst anleiten, die bislang die große Mehrheit der Arbeiten in den Restaurierungswerkstätten übernommen haben. Diese Beschäftigten werden in Zukunft keine ausgebildeten Buchbinder und Buchbinderinnen sein, da dieser Ausbildungsberuf ausstirbt. Stattdessen sollen Personen mit Handwerksberufen eingestellt werden, deren Tätigkeit vom Umgang mit fragilen Materialien geprägt ist. Noch stärker gilt der Anpassungsbedarf für den Bereich der Filmrestaurierung, da der Ausbildungsberuf Film- und Videolaborant bzw. -laborantin, aus dem über mehrere Jahrzehnte die Rekrutierung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfolgte, seit dem Jahr 2014 nicht mehr angeboten wird.7FazitDie im Bestandserhaltungskonzept des Bundesarchivs formulierte Strategie dient im Grundsatz dem Ziel, die verwahrten Archivalien in ihrer Substanz für einen möglichst langen Zeitraum zu erhalten. Allerdings sind dem Originalerhalt aufgrund der jeglichem Material inhärenten Zersetzung, der umfangreichen Bestände und der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen enge Grenzen gesetzt. Vielfach stellt das Kopieren auf ein neues Trägermaterial die einzige Möglichkeit dar, die vorliegende Information längerfristig zu erhalten. Damit einher geht die Notwendigkeit, Information in digitaler Form einer zunehmend vornehmlich digital rezipierenden Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.Die in den Bereichen Prävention, Restaurierung und Digitalisierung beschriebenen Teilziele dienen dem Zweck, die Erfordernisse des Originalerhalts sowie der Digitalisierung großer Mengen und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auszutarieren. Weiterhin ist es dem Bundesarchiv ein wichtiges Anliegen, diesen Prozess gegenüber der Öffentlichkeit transparent zu gestalten und über dessen Möglichkeiten und Grenzen zu informieren. Die in dem vorliegenden Bestandserhaltungskonzept getroffenen strategischen Festlegungen werden schrittweise in entsprechenden Feinkonzeptionen weiterentwickelt und in die Arbeitsprozesse im Bundesarchiv integriert. http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png ABI-Technik de Gruyter

Bestandserhaltung als Massengeschäft – Das neue Bestandserhaltungskonzept des Bundesarchivs

Loading next page...
 
/lp/de-gruyter/bestandserhaltung-als-massengesch-ft-das-neue-yxHbYLqgMR
Publisher
de Gruyter
Copyright
© 2023 bei den Autorinnen und Autoren, publiziert von De Gruyter.
ISSN
2191-4664
eISSN
2191-4664
DOI
10.1515/abitech-2023-0005
Publisher site
See Article on Publisher Site

Abstract

1Bestandserhaltung als MassengeschäftDas Bundesarchiv steht seit langem vor der Herausforderung, den Bestandserhalt von umfangreichen Beständen an vielen Standorten zu organisieren und damit umso rascher nachhaltige mengentaugliche Lösungen zu realisieren. Insbesondere in den letzten vier Jahren ist der Umfang der verwahrten Bestände um ein Drittel gewachsen. Hintergrund ist, dass innerhalb von zweieinhalb Jahren das Bundesarchiv Anfang 2019 erst die Deutsche Dienststelle (ehemals Wehrmachtauskunftstelle) und dann Mitte 2021 das Stasi-Unterlagen-Archiv aufnahm.Das neue Bestandserhaltungskonzept versteht sich als Antwort auf die oben beschriebenen Herausforderungen und bildet den Abschluss einer intensiven Diskussion, die 2018 vom Strategieprozess des Bundesarchivs angestoßen wurde. Es richtet die verschiedenen Komponenten der Konservierung und Restaurierung des Archivgutes neu aus.Bestandserhaltungskonzept Bundesarchiv, https://www.bundesarchiv.de/DE/Content/Artikel/Ueber-uns/Aus-unserer-Arbeit/bestandserhaltungskonzept.html (05.12.2022); Hänger, Andrea, Michael Hollmann. „Das Bundesarchiv im digitalen Wandel.“ Forum (2018): 4–33, insbes. 20 ff. zu den im Folgenden formulierten Leitlinien. Das Bestandserhaltungskonzept kann dabei auf die intensive Forschung der letzten Jahre zurückgreifen, die empirisch basierte Modelle und Werkzeuge zur Verfügung stellt. Diese ermöglichen es, verschiedene Szenarien für die Bestandserhaltung zu entwickeln und die Auswirkungen von Maßnahmen auf Erhaltung, Budget, Nutzbarkeit und Nachhaltigkeit abzuwägen. Dadurch erst können konkrete und evidenzbasierte Ziele der Bestandserhaltung benannt, die Kosten für die Erreichung dieser Ziele berechnet und der Öffentlichkeit bzw. den Unterhaltsträgern vermittelt werden.Mehr als 540 laufende Kilometer Archivgut bedeuten für die Bestandserhaltung eine enorme Herausforderung und Ressourcenaufwände. Die Entwicklung eines realistischen, fachlich und wirtschaftlich vertretbaren Maßnahmenkataloges ist daher unabdingbar. Für das Bundesarchiv bedeutet dies, Unterlagen abgestuften Kategorien transparent zuzuordnen und für die jeweiligen Bestandserhaltungsniveaus Maßnahmen festzulegen. Im Ergebnis werden diese Maßnahmen dazu führen, dass hoch priorisierte Unterlagen generell länger im Original nutzbar bleiben als tiefer priorisierte.Abb. 1:Magazinraum in Berlin-Lichterfelde (Foto: Kristina John, Bundesarchiv B 198 Bild-2022-0817-001)2Trends der BestandserhaltungDie Forschung zum Erhalt von Kulturgut ist seit etwa 30 Jahren zunehmend empirisch ausgerichtet. Im Kern geht es darum, die Zerfallsprozesse, denen das Kulturgut unterliegt, besser zu verstehen, insbesondere im Hinblick auf die Bedeutung äußerer Einflüsse wie Lagerung, Klimabedingungen, Nutzung usw. sowie auf die Wirkung invasiver Verfahren wie Entsäuerung auf diese Zerfallsprozesse.Global lassen sich grosso modo folgende Tendenzen beschreiben: In Mitteleuropa haben Massenentsäuerungsverfahren in den vergangenen Dekaden eine dominante Rolle in der Erhaltung von Archivgut eingenommen, während sie in Nordamerika, West- und Südeuropa – zumindest im Archivbereich – eine weitaus geringere Bedeutung hatten.Durchführung von Massenentsäuerungsprojekten. Gemeinsames Grundlagenpapier des Bestandserhaltungsausschusses der Konferenz der Leiterinnen und Leiter der Archivverwaltungen des Bundes und der Länder und der Kommission Bestandserhaltung des Deutschen Bibliotheksverbandes, Mai 2019, 4; Duran-Casablancas, Cristina u. a. „A Comparison of Preservation Management Strategies for Paper Collections.“ Studies in Conservation 66,1 (2020): 23–31, DOI: 10.1080/00393630.2020.1790264. Für Polen vgl. Czajka, Anna. „20 Years of Mass Deacidification in Poland – from the Idea to Experience.“ Vortrag auf der internationalen KEK-Konferenz Originalerhalt in Perspektive 11/2021. Die Literatur zum Thema (Massen-)Entsäuerung stellt die Einflüsse dieses Verfahrens auf die Zellstruktur des zu behandelnden Papiers dar: Der säurebedingte hydrolytische Papierzerfall wird mit den aktuell eingesetzten unterschiedlichen Verfahren lediglich verzögert, aber nicht gestoppt oder gar umgekehrt.Dabei ist die Frage der nachhaltigen Wirksamkeit des Entsäuerungsverfahrens nicht nur in Deutschland ein Thema, sondern auch Gegenstand niederländisch-britischer Untersuchungen unter Beteiligung der Nationalarchive. Ein Forschungsprojekt vergleicht die Wirksamkeit verschiedener Maßnahmen (v. a. Entsäuerung mit Klimabedingungen der Lagerung) vor dem Hintergrund, Entscheidungen zu vier Folgen (outcomes) zu erleichtern: Erhaltung, Kosten, Nachhaltigkeit und Zugänglichkeit.Duran Casablancas, Cristina. UCL (University College London) Project title: „Preservation management modelling in archive and library collections.“ https://www.ucl.ac.uk/seaha-cdt/people/cristina-duran-casablancas (15.08.2022); Duran Casablancas, Cristina. „Simulating the Effect of Preservation Options – Are Archives More Complex than Rockets?“ Vortrag auf der internationalen KEK-Konferenz Originalerhalt in Perspektive 11/2021.Die im Rahmen des genannten Projekts entwickelten Modelle ermöglichen es, sammlungsspezifisch und unter Berücksichtigung des tatsächlichen Erhaltungszustandes die Wirksamkeit und die Kosten der verschiedenen Maßnahmen zu vergleichen. Das Ergebnis wird stets von vielfältigen Faktoren, dem Erhaltungszustand des Papiers, des Umfangs der Entsäuerung pro Jahr und den Zielwerten für das Magazinklima abhängen. Für große Sammlungen bzw. Bestände (Bestandsgruppen) mit einem hohen Anteil säurehaltigen Papiers wird demnach im Regelfall eine zeitnahe Absenkung der Lagerungstemperatur zu besseren Ergebnissen für den Gesamtbestand führen als eine sukzessive, sich über Jahrzehnte hinziehende Massenentsäuerung.Verticchio, Elena, Francesca Frasca, Chiara Bertolin u. a. „Climate-induced risk for the preservation of paper collections: Comparative study among three historic libraries in Italy.“ Building and Environment 206 (2021): 108394, 1–16.Ein bedeutender Teil der Forschung fokussiert daher auf die Herstellung möglichst günstiger Lagerungsbedingungen. Ausgangspunkt dieser Diskussion ist die Publikation von Stefan Michalski (Canadian Conservation Institute), deren Titel „Double the life for each five-degree drop, more than double the life for each halving of relative humidity“ seine Kernthese gut zusammenfasst.Michalski, Stefan. „Double the life for each five-degree drop, more than double the life for each halving of relative humidity.“ Preprints/International Council of Museums, Committee for Conservation. Getty Conservation Institute 13,1 (2002). Rio de Janeiro, 22–27 September 2002 (online). Wie Michalski kamen eine Dekade später Larsen und andere auf der Basis vielfältiger Empirie zur Schlussfolgerung, dass im Zusammenspiel der Klimawerte die Temperatur für Papier möglichst niedrig sein sollte.Larsen, Poul Klenz, Morten Ryhl-Svendsen, Lars Aasbjerg Jensen u. a. „Konstantes Raumklima und niedriger Energieverbrauch – kein Widerspruch. Zehn Jahre Erfahrung mit energieeffizienter Klimatisierung in Archiven und Museumsmagazinen“ Restauro 7 (2012): 53–60, 58 f. Alternativ mit mechanischer Belüftung und minimaler Heizung: Bonvin, Michel, Andrea Giovannini. „Passives Management des Klimas eines Archivlagers.“ ABI Technik 42,3 (2022): 180–192. In jüngerer Vergangenheit auf experimenteller Grundlage entwickelte Modelle beziehen mehr Faktoren ein, bestätigen aber grundsätzlich die von Michalski entwickelte Faustformel.Strlič, Matija u. a. „Damage function for historic paper. Part III: Isochrones and demography of collections.“ Heritage Science (2015): 3–40. Insbesondere der Klimawandel und das Erfordernis des sparsamen Umgangs mit Energie haben zu einer Differenzierung des Modells von Michalski geführt. Ältere Studien sahen noch vor, das Raumklima in den Magazinen unabhängig von den Außentemperaturen stabil zu halten. Dagegen finden sich in der Forschung und aktuellen Bauvorhaben jahreszeitlich angepasste Zielkorridore, bei denen Luftfeuchtigkeit und Temperatur in einem genau definierten Klimaspektrum den jahreszeitlichen Werten folgen. Dadurch werden gleiche oder bessere Ergebnisse bei der Erhaltung des Archivguts bei gleichzeitig deutlich verbesserter Energieeffizienz erreicht.Vgl. zusätzlich zu den genannten Publikationen: Menart, Eva, Gerrit De Bruin, Matija Strlič. „Dose-response functions for historic paper.“ Polymer Degradation and Stability 96 (2011): 2029–2039, hier 2038; Sung H. Hong, Matija Strlič, Ian Ridley u. a. „Climate change mitigation strategies for mechanically controlled repositories: The case of The National Archives, Kew.“ Atmospheric Environment 49 (2012): 163–170. Siehe auch die Empfehlungen der DIN/TR 67702:2020-12.Ein weiterer Trend liegt in der Digitalisierung großer Mengen Kulturgut. Dieses Thema löst teilweise etablierte Verfahren wie die Entsäuerung und Verfilmung ab. Die Digitalisierung dient bestandserhaltenden Zwecken vielfältiger Art wie Sicherung und Schutz. Und es kommen laufend neue Anwendungsmöglichkeiten hinzu, wie etwa die Aufnahme und Analyse unterschiedlicher Materialschichten und das Aufdecken verblasster Spuren. Sie bedient zugleich auch Erwartungen von Nutzerinnen und Nutzern sowie Unterhaltsträgern nach einer möglichst umfassenden digitalen Bereitstellung, die durch die COVID-19-Pandemie seit 2020 noch einmal einen deutlichen Schub erfahren haben. Der Schwerpunkt der Aktivitäten liegt hier auf der Entwicklung eines Digitalisierung-on-Demand-Dienstes, der die analoge Bereitstellung von Unterlagen in Teilen ablöst.Internationalen Beispielen – wie den skandinavischen Ländern, der Schweiz, den Niederlanden, Großbritannien, den Vereinigten Staaten – folgend setzt das Bundesarchiv auf eine digitale Bereitstellung und Gewährleistung des Originalerhalts durch gute Lagerungsbedingungen.National Archives Strategic plan 2022–2026, https://www.archives.gov/about/plans-reports/strategic-plan/strategic-plan-2022-2026, 15.08.2022); Schweizerisches Bundesarchiv, Strategie 2021–25-Strategie, Leitsatz 1 zur Vision, https://www.bar.admin.ch/bar/de/home/ueber-uns/das-bundesarchiv/strategie.html; für die Niederlande: Digital Heritage Network: National Digital Heritage Strategy, https://www.den.nl/uploads/5c9b818974b6fbf9d4f768cd0fe96f8d14e3d504324a7.pdf; für Großbritannien: https://www.nationalarchives.gov.uk/about/our-role/plans-policies-performance-and-projects/our-plans/the-national-archives-strategic-response-to-covid-19/; für Finnland: Kajanne, Ville. „Planning Mass Digitisation – challenges and Solutions for Large-Scale Projects.“ Vortrag auf der internationalen KEK-Konferenz Originalerhalt in Perspektive 11/2021; für Norwegen: Konvertering av arkiv til digitale lagringsmedier. „Digitalisering for kassasjon‘.“, https://www.arkivrad.no/sites/arkivrad/files/user/Arkivraad/2_norli_og_stavheim_foredrag_na_-_digitalisering_for_kassasjon.pdf; für Dänemark vgl. Larsen, Rhyl-Svendsen, Aasbjerg Jensen u. a. 2012 (alle Internetseiten: 05.12.2022). Auf bisher praktizierte Massenentsäuerungsverfahren wird das Bundesarchiv künftig verzichten.Für das neue Bestandserhaltungskonzept des Bundesarchivs wurden drei Kategorien definiert, für die unterschiedliche Erhaltungsniveaus und damit verbundene Aufwände gelten:Bestandserhaltungskonzept Bundesarchiv, Punkt 1 (daraus auch das folgende Zitat); vgl. dazu erstmalig: Hänger, Hollmann 2018, 22. Die Zuweisung von Kulturgut zu unterschiedlichen Erhaltungsniveaus findet sich in vielen Handbüchern, z. B. Giovannini, Andrea. De tutela librorum: la conservation des livres et documents d’archives: die Erhaltung von Büchern und Archivalien. 4., überarb. und wesentlich erw. Aufl. Baden: hier + jetzt, 2010, 52–57.Der Kernbestand umfasst eine kleine, nicht abschließend festgelegte Menge von Archivgut, das mit restauratorischen Maßnahmen und optimierten Lagerungsbedingungen für einen sehr langen Zeitraum in nutzbarem Zustand erhalten werden soll. „Dieser ‚Kernbestand‘ soll Archivalien umfassen, die für das Verständnis der deutschen Geschichte von besonderer Bedeutung sind und die alle Bereiche und Epochen aus dem Überlieferungsspektrum des Bundesarchivs abdecken.“Die weitaus größte Menge wird der Kategorie „mittleres Erhaltungsniveau“ zugeordnet. Die Archivalien dieser Kategorie werden bedarfsorientiert aktiven Maßnahmen zum Originalerhalt unterzogen, die im Zusammenhang mit der Vor- oder Nachbereitung der analogen oder digitalen Bereitstellung stehen, wie Stabilisierung und Reinigung. Die Lagerungsbedingungen sollen eine generelle Nutzbarkeit des Bestandes im Original (ggf. mit Ausnahme bereits zu sehr geschädigter Unterlagen oder Unterlagenteile) über einen möglichst langen, mindestens mehrere hundert Jahre umfassenden Zeitraum gewährleisten.Für das Zwischenarchivgut beschränken sich die Maßnahmen darauf, dieses für die Dauer der Aufbewahrungsfrist benutzbar zu halten.3„Nothing is the same as something else“ – die Bedeutung des OriginalsDieYeo, Geoffrey. „‚Nothing is the same as something else‘: significant properties and notions of identity and originality.“ Archival Science 10,2 (2010): 85–116, doi:10.1007/s10502-010-9119-9; ähnlich schon 1994 über Einzigartigkeit: O’Toole, James M. „On the Idea of Uniqueness“ American Archivist 57,4 (1994): 632–658, hier 657: „If we were to insist on uniqueness as an absolute, it would prove entirely useless. In the end, everything differs from everything else.“ Begrenzung der Nutzbarkeit im Original führt zu der Frage, inwiefern digitale Reproduktionen Eigenschaften der Vorlage, des Originals transportieren können und folglich, welches diese gewünschten Eigenschaften sind.Vgl. für die Frage Hänger, John, Zahnhausen 2021, 80; Hänger, Hollmann 2018, 22. Wesen und Bedeutung des Originals sind intensiv diskutierte Themen. Häufig werden sie verknüpft mit weiteren grundlegenden Begriffen, auch in Überschneidung mit der Diskussion zu Digitalisaten oder born digitals: Authentizität, Einzigartigkeit, Materialität, Substanz, signifikante Eigenschaften, intrinsischer Wert, Beweiswert, Vertrauen – und in Abgrenzung zu: Reproduktion, Repräsentation, Multiplikat, Vervielfältigung, Kopie, Abbild, Faksimile, Imitat etc.Vgl. auch Stauber, Reinhard. „Zum Wert des Originals“ Archivalische Zeitschrift 97 (2021): 121–128; Grau, Bernhard. „‚Original‘ – Archive und historische Authentizität.“ In Original! Pracht und Vielfalt aus den Staatlichen Archiven Bayerns. Hrsg. von Margit Ksoll-Marcon, Laura Scherr, Christian Kruse u. a. München: Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns, 2017, 11–26, hier 11; Sabrow, Martin. „Die Aura des Authentischen in historischer Perspektive.“ In Historische Authentizität. Zur Kartierung eines Forschungsfeldes. Hrsg. von Martin Sabrow, Achim Saupe. Göttingen: Wallstein, 2016, 31; Schilling, Erik. Authentizität. Karriere einer Sehnsucht. München: C. H. Beck, 2020. Diese Begriffe tragen zum Verständnis bestandserhaltender Möglichkeiten und Entscheidungsspielräume bei.Originale zu bewahren und für nachprüfbare Informationen zur Verfügung zu stellen, gehört zum Kerngeschäft von Archiven.Grau 2017; Hänger, Hollmann 2018, 20. Obwohl der Begriff des Originals ein wesentlicher Referenzpunkt in Fachdebatten ist, fehlt ihm ein eigener Eintrag gerade in manch zentralen klassischen archivischen Nachschlagewerken.Vgl. beispielsweise Menne-Haritz, Angelika. Schlüsselbegriffe der Archivterminologie. Nachdr. der 3., durchges. Aufl., Marburg: Archivschule Marburg, 2011; oder Encyclopedia of Archival Science. Hrsg. von Luciana Duranti, Patricia C. Franks. Lanham, USA/Plymouth, UK: Rowman & Littlefield, 2015. Im von der Society of American Archivists verantworteten Dictionary of Archives Terminology, das als aktuelles Standardwerk gelten kann, wird er definiert als: a) allgemein: „Ursprüngliche Ausprägung“ (initial manifestation), „Prototyp“, b) in der Diplomatik:, „erste vollständige und gültige (effective) Version einer Akte“, c) im Recht: „Das Ding an sich oder ein Duplikat, von dem von der herstellenden Person beabsichtigt wird, dass es die gleiche Gültigkeit (effect) hat“.„Original.“ In Dictionary of Archives Terminology, https://dictionary.archivists.org/entry/original.html (12.05.2022), deutsche Übersetzungen von den Autorinnen und Autoren dieses Beitrags.Zudem ist der Terminus weder im Bundesarchivgesetz noch in gut der Hälfte (neun) der Archivgesetze der deutschen Länder enthalten.Ebenfalls nicht enthalten (Stand 02.01.2023) in folgenden Archivgesetzen der Länder: Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Thüringen; auch nicht im Bundesgesetz über die Archivierung der Schweiz. Ebenso keine Rolle spielt der Begriff in der aktuellen Kommentierung einschlägiger Passagen des BArchG etwa zur Definition von Archivgut des Bundes oder zu alternativen Wegen der Zugänglichmachung: Bundesarchivgesetz. Handkommentar. Hrsg. von Christoph J. Partsch. 2. Aufl. Baden-Baden: Nomos, 2021, 93 f. (zu § 1 (2), 119 (zu § 3 (1) 1). Vier Archivgesetze der Länder sehen ausdrücklich die Möglichkeit vor, „die im Archivgut enthaltenen Informationen in anderer Form archivieren und die Originalunterlagen vernichten“BayArchivG Art. 9 (1) Satz 4; ähnlich: Mecklenburg-Vorpommern mit Zusätzen „im Benehmen“ (Schleswig-Holstein) oder sogar „mit Zustimmung der abgebenden Stelle“ (Bayern, Saarland). Im novellierten HArchivG von 2022 ist im einschlägigen § 6 (2) der Hinweis auf Löschung oder Vernichtung des Originals, der im vorherigen HArchivG § 11 (2) enthalten war, entfallen. Zwei Gesetze verpflichten die anbietenden Behörden dazu, Schriftgut bzw. Unterlagen „im Originalzustand zur Übernahme anzubieten“ (Niedersachsen, Sachsen-Anhalt). zu können. Die rechtliche Dimension des Originalbegriffs – etwa im Zusammenhang mit einem BeweiswertGlaudemans, Arnoud, Rienk Jonker, Frans Smit. „Documents, Archives and Hyperhistorical Societies: An interview with Luciano Floridi.“ In Archives in liquid times. Hrsg. von Frans Smit, Arnoud Glaudemans, Rienk Jonker. Den Haag: Stichting Archiefpublicaties, 2017, 306–320, bes. 311 („legal ability of records“). – ist nicht eindeutig. Ähnlich unklar ist die Rechtslage offenbar in Österreich, wo die Digitalisierung der Verwaltung frühzeitig massiv betrieben wurde.Dornik, Wolfram. „Ersetzendes Scannen von Altregistraturen. Archivische Herausforderung im Spannungsfeld zwischen visionären Chancen, archivarischem Ethos und harter (Finanz-)Realität.“ Scrinium 73 (2019): 54–67, hier: 58.Ebenso dauert die Diskussion zu gängigen Fachbegriffen wie „authentisch“, „signifikante Eigenschaften“, „intrinsischer Wert“ an. Bislang wird darauf verwiesen, dass die Eigenschaften, die zur Anerkennung der „Authentizität“ führen sollen oder den spezifischen „Wert“ ausmachen, jeweils konkret auf Zwecke hin funktional definiert werden müssen – bis hin zur lapidaren Feststellung: „Originality itself may be significant and cannot be replicated.“Yeo 2010, 20.Darüber hinaus sind Veränderungen durch Abnutzung und endogene Entwicklungen zu berücksichtigen. Eine materielle Unveränderlichkeit auf Dauer ist letztlich eine Fiktion.Coppola, Floriana u. a. „Non-destructive collection survey of the historical Classense Library. Part II: Conservation scenarios.“ Heritage Science 89,8 (2020): 1–10, hier: 1. DOI: 10.1186/s40494-020-00430-y. Vgl. für den Begriff der Fiktion in einem übergreifenden Kontext für Materielles Hahn, Hans Peter. „Dinge als Herausforderung – Einführung.“ In Dinge als Herausforderung: Kontexte, Umgangsweisen und Umwertung von Objekten. Hrsg. von Hans Peter Hahn, Friedemann Neumann. Bielefeld: transcript, 2018, 9–32, bes. 20–22. Daher versteht sich professionelle Konservierung seit Jahren als „Veränderungsmanagement“.Coppola 2020, 1. Diese Tatsache ist insbesondere in der filmischen Überlieferung offensichtlich, da Produktion und Verbreitung von Filmwerken auf dem Prinzip der technischen Reproduzierbarkeit beruhen. Filme können einem breiten Publikum in Kinosälen nur präsentiert werden, indem von einem originalen Ausgangsmaterial Vorführkopien in großer Menge hergestellt werden. Somit ist das Umkopieren von Filmen auf ein vergleichbares oder ein anderes Trägermedium seit jeher ein etabliertes Verfahren. Im Bereich Filmerbe gewinnt das Prinzip der technischen Reproduzierbarkeit zusätzlich an Bedeutung, da die ehemals verwendeten Trägerstoffe Zellulosenitrat und Zelluloseazetat per se instabil sind und deren immanente chemische Zersetzungsprozesse nur verlangsamt, aber nicht aufgehalten werden können.Vgl. Read, Paul, Meyer, Mark-Paul. „Introduction to the restoration of motion picture film.“ Restoration of Motion Picture Film. Oxford: Elsevier professional, 2000, 1–5, hier 1; Fossati, Giovanna. From Grain to Pixel: The Archival Life of Film in Transition. Amsterdam: Amsterdam University Press, 2018. Beim Kopieren von Inhalten, einer seit dem Aufkommen der Schriftlichkeit etablierten und auch für Filme angewandten Praxis, haben sich Methoden entwickelt, wie die Kopie weiterhin die mit dem Original assoziierten Eigenschaften aufweisen kann. Dieser Sichtweise liegt das Konzept der intersubjektiven Authentizität zugrunde, bei dem eine dritte Person die Wesensähnlichkeit eines Objekts anhand überprüfbarer Kriterien nachvollziehen kann.Die Digitalisierung von schriftlichem Kulturgut hat in den vergangenen Jahren einen Standardisierungsschub erfahren. Standards wie Metamorfoze und die FADGI-Guidelines haben wesentlich dazu beigetragen, aus am Nutzungswunsch orientierten digitalen Kopierprozessen Fachverfahren zur Kulturgutreproduktion zu entwickeln. Mit der ISO 19264-1:2021-06 steht eine Norm zur Sicherung einer hohen und standardisierten Qualität hinsichtlich Farbe, Auflösung und Geometrie der Digitalisate zur Verfügung. Für originär digitale Daten entwickelte Standards zur Sicherung von Integrität und Authentizität bei der Langzeitarchivierung sind leicht auf Retrodigitalisate anzuwenden. Eine konsequente Anwendung der Standards, die Dokumentation von Prozessen und ein hinreichendes Qualitätsmanagement sind notwendig, damit die Kopie die Funktionen des Originals übernehmen kann.Abb. 2:Raum der Digitalisierungswerkstätten (Foto: Christian Appl, Bundesarchiv)Das Bundesarchiv bewahrt weiterhin alle Originale gemäß den oben formulierten Prinzipien auf, die sich aus seinem Auftrag gemäß Bundesarchivgesetz ableiten.4Aufbewahrung: Lagerungsbedingungen, NachhaltigkeitHerzstück der Bestandserhaltung ist die Vorsorge durch geeignete Aufbewahrung. Die Herausforderung besteht darin, die Lagerungskonditionen auf die Besonderheiten der Unterlagen abzustimmen. Zusätzlich zu den materialspezifischen Klimabedingungen unterscheidet das Bundesarchiv hinsichtlich der Relevanz des jeweiligen Bestandes (siehe Abschnitt 2 oben). Grundsätzliches Ziel ist die Gewährleistung möglichst optimaler Aufbewahrungsbedingungen mit wirtschaftlich und ökologisch vertretbarem Aufwand. Unterlagen des Kernbestands werden bei ggf. notwendigen ressourcenintensiven Maßnahmen priorisiert berücksichtigt gegenüber Akten des mittleren Erhaltungsniveaus.Bei der Planung zukünftiger Magazinstandorte greift das Bundesarchiv auf eine Vielfalt von etablierten Best Practices zurück. Allgemein akzeptiertDie Werte geben den aktuellen Stand wieder, z. B. der DIN ISO 11799 Anhang C. sind Empfehlungen für hinreichend stabiles Raumklima in einem Korridor von 16–23°C in verpacktem, kompakten Zustand an einem sicheren, sauberen, dunklen, nicht zu feuchten Ort, mit angemessenem Luftaustausch, verlässlicher Technik sowie geringer Bewegung sowohl der Unterlagen selbst als auch im Magazin allgemein und zuverlässigem Monitoring aller Aspekte. Für eine kühle Lagerung sind Temperaturkorridore von 8–16°C anzustreben. Die Umsetzung der Empfehlungen sind standortabhängig und auf verschiedene Art zu erreichen. Aktuell dominieren Ansätze mit dem Fokus auf passiver Klimatisierung, ggf. mit minimaler technischer Unterstützung.Vgl. als Übersichten zu Erfahrungen mit verschiedenen Bautypen und Klimazonen sowie Bezügen zu einschlägigen Normen wie u. a. der DIN ISO 11799, die aktuell in Überarbeitung ist: Larsen, Ryhl-Svendsen, Aasbjerg Jensen u. a. 2012; Holl, Kristina, Kilian Ralf (Hrsg.). Handbuch Depots und Archive. Handlungsempfehlungen für Planung und Betrieb. Stuttgart: Fraunhofer IRB, 2022. Entsprechende Beispiele für die Umsetzung gibt es unter anderem in Skandinavien, Großbritannien und Deutschland.Larsen, Ryhl-Svendsen, Aasbjerg Jensen u. a. 2012, 53; Hong, Sung H., Matija Strlič, Ian Ridley u. a. „Climate change mitigation strategies for mechanically controlled repositories: The case of The National Archives, Kew.“ Atmospheric Environment 49 (2012): 163–170; Woods, Chris. „Sustainable Conservation of Collections: The push for the passive.“ Vortrag auf der internationalen KEK-Konferenz Originalerhalt in Perspektive 11/2021.Auch aktive Klimatisierung ist nachhaltig umsetzbar, wie beim 2021 bezogenen Neubau des Historischen Archivs der Stadt Köln für gut 61 laufende Regalkilometer, mit neun Klimazonen, Flächenkühlsystem, Wärmepumpe und Eisspeicher, oder beim kanadischen „Preservation Centre“, das mit einer Lagerungskapazität von gut 21 000 m³ als eines der weltgrößten mit automatisiertem Lagerungs- und Aushebesystem und zudem als erster Archivbau in Amerika mit einer neutralen CO2-Bilanz angekündigt war und mittlerweile fertiggestellt ist; dies vor dem Hintergrund einer Schwankung der Außentemperaturen am Standort von –25°C bis +30°C.Für den Kölner Neubau vgl. https://www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/kultur/historisches-archiv/neubau-des-historischen-archivs; https://www.floornature.de/waechterwaechter-historisches-archiv-der-stadt-koln-16920/, Holl, Kilian 2022, 20–22; für Kanada: Bélanger, Sylvain. „Climate Change and Archival Facilities.“, Blogbeitrag vom 12.06.2020, https://blog-ica.org/2020/06/12/climate-change-and-archival-facilities/ (alle 05.12.2022). „Preservation Storage Facility“, https://library-archives.canada.ca/eng/corporate/about-us/building-projects/new-preservation-facility/Pages/new-preservation-facility.aspx (21.12.2022). Viele weitere Beispiele ließen sich anführen.Eine Variante passiver Kühllagerung in gleichmäßigem Klima praktizieren seit rund 25 Jahren die Nationalarchive in den USA und im Vereinigten Königreich für Teilbestände. Die genutzten Flächen in Grubenbauten bringen eine gewisse Distanz zum archivischen Verwaltungsbetrieb inkl. Nutzungsräumen und Scanstrecken mit sich, werden aber aufgrund der relativ geringen Kosten und technischen Anforderungen geschätzt.Vgl. Thomas, David. „The National Archives goes underground.“ Places of deposit Bulletin Nov. (2003): 4–5, https://cdn.nationalarchives.gov.uk/documents/bulletin_nov03.pdf (15.08.2022); Kratz, Jessie. „The National Archives Goes Underground.“ The Historian’s Notebook 48,1 (2016), https://www.archives.gov/publications/prologue/2016/spring/historian-frcs.html (15.08.2022). Eine Unterbringung in Grubenbauten wird in Deutschland lediglich für die Sicherung der Multiplikate aus der Bundessicherungsverfilmung im Barbarastollen genutzt.5Risikomanagement und NotfallvorsorgeBeide Themen haben über die letzten Jahre stetig an Bedeutung und Facetten gewonnen: Hochwasser und Brandgefahren durch Sommerdürren, kollabierende Untergründe und Gebäude, Anschläge und Einbrüche, Besatzungen und Kriege, Klimaänderungen mit Auswirkungen bis hin zu Schädlingsaufkommen, unsichere Perspektiven der Energieversorgung und auch die Verbreitung neuer ansteckender Krankheiten stellen steigende Anforderungen auch an Kulturgut bewahrende Einrichtungen.Weitere Tendenzen sind darin zu sehen, dass sich die Institutionen in Notfallverbünden zusammenschließen und sich mit potentiellen Partnerinnen und Partnern mit Spezialkenntnissen und -zuständigkeiten wie Feuerwehr und Katastrophenschutz stärker vernetzen. Dabei ist am Beispiel des SicherheitsLeitfadenKulturgut (SiLK) und des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) zu beobachten, dass sich allgemeines und Kulturgut bezogenes Notfallmanagement in Deutschland stärker verschränkt und standardisiert.https://www.bbk.bund.de/DE/Themen/Schutz-Kulturgut/schutz-kulturgut_node.html (Bereich „Wie sichern wir Kulturgut?“); http://notfallverbund.de/ (beide 15.08.2022).Auch das Bundesarchiv nutzt die gängigen Instrumente der Risikoanalyse und der Notfallvorsorge an seinen rund zwei Dutzend Standorten ebenso wie bei der Planung zur Nutzung weiterer Liegenschaften und Gebäude. Die Infrastruktur für Notfälle soll in den kommenden Jahren ausgebaut werden. Es hilft zudem als verlässlicher Partner Einrichtungen in Notlagen wie zuletzt im Ahrtal 2021 oder in der Ukraine 2022, engagiert sich in den lokalen bzw. regionalen Notfallverbünden, bedient die Bundessicherungsverfilmung auch in der Transformation zur Digitalisierung, betreibt eine Risikoanalyse für seine Standorte und erstellt ein Schadenskataster für Unterlagen aus besonders empfindlichen Materialien.6Restaurierung und KonservierungDas Bundesarchiv legt den Schwerpunkt bei der Bestandserhaltung auf präventive Maßnahmen. Dies schließt konservatorische Vorbereitungsarbeiten für die Digitalisierung (z. B. Entfernen von Metallteilen, Entheften, Lösen einfacher Bindungen) ein. Restaurierungsarbeiten werden in den Werkstätten insbesondere in Unterstützung der großflächigen Digitalisierungsvorhaben durchgeführt. Auf diese Verzahnung mit der Digitalisierung werden die Werkstätten im Hinblick auf Ausstattung, Prozesse und Personal ausgerichtet. Aufwändige Restaurierungsarbeiten beschränken sich auf die Herstellung der Digitalisierungsfähigkeit bzw. die Nutzungsfähigkeit im Original, wenn eine solche erforderlich ist (z. B. auch bei Ausstellungen) sowie auf herausragende Objekte. Die Arbeiten sind den in der Charta von Venedig (1964) festgelegten und weiterentwickelten Grundsätzen verpflichtet, mit möglichst geringem und reversiblem Eingriff in das Material. Die Restaurierungswerkstätten arbeiten dabei mit am Stande der Forschung orientierten Verfahren. Selbst bei vorliegenden Schadbildern ist stets abzuwägen, ob die sachgerechte Lagerung des geschädigten Archivales und ggf. die Anfertigung eines archivischen Anforderungen entsprechenden Multiplikats hinreichend und einer personalintensiven Restaurierung vorzuziehen ist.Abb. 3:Restaurierungswerkstatt in Berlin-Lichtenberg (Foto: Sabine Protze, Bundesarchiv)Zur Lösung dieser Aufgaben sollen zusätzliche Restauratorinnen und Restauratoren mindestens des Qualifizierungsniveaus Bachelor eingestellt werden, um die fachlich anspruchsvollen Verfahren flächendeckend umsetzen zu können. Diese sollen zudem die Beschäftigten im mittleren Dienst anleiten, die bislang die große Mehrheit der Arbeiten in den Restaurierungswerkstätten übernommen haben. Diese Beschäftigten werden in Zukunft keine ausgebildeten Buchbinder und Buchbinderinnen sein, da dieser Ausbildungsberuf ausstirbt. Stattdessen sollen Personen mit Handwerksberufen eingestellt werden, deren Tätigkeit vom Umgang mit fragilen Materialien geprägt ist. Noch stärker gilt der Anpassungsbedarf für den Bereich der Filmrestaurierung, da der Ausbildungsberuf Film- und Videolaborant bzw. -laborantin, aus dem über mehrere Jahrzehnte die Rekrutierung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfolgte, seit dem Jahr 2014 nicht mehr angeboten wird.7FazitDie im Bestandserhaltungskonzept des Bundesarchivs formulierte Strategie dient im Grundsatz dem Ziel, die verwahrten Archivalien in ihrer Substanz für einen möglichst langen Zeitraum zu erhalten. Allerdings sind dem Originalerhalt aufgrund der jeglichem Material inhärenten Zersetzung, der umfangreichen Bestände und der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen enge Grenzen gesetzt. Vielfach stellt das Kopieren auf ein neues Trägermaterial die einzige Möglichkeit dar, die vorliegende Information längerfristig zu erhalten. Damit einher geht die Notwendigkeit, Information in digitaler Form einer zunehmend vornehmlich digital rezipierenden Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.Die in den Bereichen Prävention, Restaurierung und Digitalisierung beschriebenen Teilziele dienen dem Zweck, die Erfordernisse des Originalerhalts sowie der Digitalisierung großer Mengen und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auszutarieren. Weiterhin ist es dem Bundesarchiv ein wichtiges Anliegen, diesen Prozess gegenüber der Öffentlichkeit transparent zu gestalten und über dessen Möglichkeiten und Grenzen zu informieren. Die in dem vorliegenden Bestandserhaltungskonzept getroffenen strategischen Festlegungen werden schrittweise in entsprechenden Feinkonzeptionen weiterentwickelt und in die Arbeitsprozesse im Bundesarchiv integriert.

Journal

ABI-Technikde Gruyter

Published: Feb 1, 2023

Keywords: Bundesarchiv; Bestandserhaltungskonzept; Massenverfahren; German Federal Archives; preservation concept; high-volume business

There are no references for this article.